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Alles was Du über Schröpfen wissen musst

Von der Indikation bis zu aktuellen Studienergebnissen

 

Geschichte des Schröpfens


Das Schröpfen ist eine der ältesten Therapiemethoden der Welt 🌍, die in allen Kulturkreisen bereits seit Jahrtausenden existiert. Die ältesten Zeugnisse des Schröpfens stammen aus Mesopotamien um 3300 v.Chr. Im antiken Griechenland 🏛 gab es sogar einen Schröpfgott namens Telesphorus.


Als erste „Schröpfapparate“ dienten beispielsweise Tierhörner 🐂, die am oberen Ende zum Saugen geöffnet wurden. Später kamen Apparate aus Glas zum Einsatz.


Von Hippokrates (460-370 v.Chr.) wurde das Schröpfen zur lokalen Ausleitung von Krankheitsstoffen bzw. zur Ableitung dieser Stoffe von entfernten Organen empfohlen.


Im 20. Jahrhundert war das Schröpfen im europäischen Raum dann so gut wie ausgestorben. Seit einigen Jahren erlebt es jedoch eine wahre Renaissance. Auch die Wissenschaft verzeichnet in den letzten Jahren ein steigendes Forschungsinteresse, dies spiegeln etliche aktuelle Studien zum Schröpfen wieder.



Schröpftechnik und Indikationen


Das Schröpfen beinhaltet unzählige Varianten, die bekannteste ist jedoch das Trockene Schröpfen.


Mit dem Trockenen Schröpfen soll, anders als beim Blutigen 🩸 Schröpfen, keine Ausleitung, sondern eine Ableitung von der erkrankten Stelle weg erfolgen. Dies kann in der direkten Umgebung des Krankheitsgeschehens erfolgen oder indem die Blutfülle an einen Fernort umgeleitet wird, um den erkrankten Körperteil zu entlasten. Es eignet sich aber auch, um lokal eine Verbesserung der Durchblutung zu erzielen. Zudem können innere Organe 🫀 damit beeinflusst werden.


Das trockene Schröpfen wird vor allem bei sogenannten kalten Gelosen angewendet. Kalte Gelosen sind kleine, schmerzhafte 💥 Veränderungen im Bindegewebe. Sie gehen in der Regel mit einem verminderten Bindegewebstonus einher, d.h. das Bindegewebe ist schlaff und nur unzureichend durchblutet.


Das entstehende Vakuum übt eine Sogwirkung auf die Haut aus, so dass diese in das Glas gezogen wird. Der Dehnungsreiz erreicht dabei auch tiefere Hautschichten und die Muskulatur. Dadurch kommt es in diesem Bereich zu einer Hyperämisierung (Mehrdurchblutung), die je nach Stärke und Dauer der Behandlung auch zu Schröpfmalen führen kann, die nach einigen Tagen bis Wochen jedoch vollständig verschwunden sind.


Wirkungsweise


Durch das Aufsetzen eines Schröpfglases kommt es zu einer mechanischen Verschiebung verschiedener Haut-, Muskel- und Bindegewebsschichten gegeneinander. Das Gebiet, bis zu 3 cm unter dem Schröpfglas, wird dadurch für kurze Zeit komplett vom Blutkreislauf abgekoppelt.


Die mechanische Hautreizung führt zudem zu einer Ausschüttung von Histamin, welches gefäßerweiternd wirkt und die Bildung eines Ödems fördert, indem Blut 🩸 aus den kleinsten Kapillaren ins umliegende Gewebe austritt.

Da dieses allerdings nicht die äußeren Hautschichten überwinden kann, verbleibt es im subkutanen Fettgewebe. Das führt dann zu einer Entzündungsreaktion, die eine Steigerung von Durchblutung und Stoffwechsel bedingt.


Beim Abbau der roten Blutkörperchen kommt es zudem zu einer Steigerung verschiedener Enzymreaktionen, welche einen zellschützenden und schmerzlindernden Effekt mit sich bringen.


Neueste Befunde 💡 zeigen außerdem, dass es nach dem Schröpfen zu einem Anstieg von Laktat im Fettgewebe kommt. Der Anstieg von Laktat und ein sinkender ph-Wert deuten auf eine grundlegende Veränderung der lokalen Stoffwechselvorgänge durch Schröpfen hin.


Eine Zunahme von Laktat erhöht die sympathische Nervenaktivität sowie den Blutdruck im Muskel. Somit erhöht sich auch die aerobe Kapazität, ähnlich wie nach einer Muskelbeanspruchung💪🏼.


Im Verlauf einer seriellen Behandlung summiert sich dieser Effekt und der Muskel entspannt sich über die Zeit zunehmend. 🙌🏼


Studienergebnisse


Schmerzen

  • Das trockene Schröpfen führte zu einer Schmerzreduktion 😌 auf der VAS von 42,6%, dies bereits nach fünfmaliger Anwendung.

❗️ Für Schmerzen wird in der Regel eine Reduktion um 30% als bedeutsam angesehen ❗️

  • Die Wirkung entfaltet sich sukzessive, erst ab der 4. Behandlung war ein signifikanter Behandlungseffekt nachweisbar.

  • In der Literatur gibt es zahlreiche Berichte von Patienten, die nach längerer Anwendung schmerz- bzw. beschwerdefrei waren 🙌🏼.


Lebensqualität

Neben dem körperlichen Schmerz gab es beim trockenen Schröpfen vor allem eine Verbesserung psychischer Faktoren (soziale Funktion, Vitalität und psychisches Wohlbefinden).


Körperwahrnehmung

Durch die Schröpfbehandlung kam es zu einer Verkleinerung der Schmerzareale. Diese Areale konnten zudem besser eingegrenzt werden und es fiel den Patienten nach der Behandlung leichter, den Schmerzursprung zu lokalisieren.


Patientenzufriedenheit

Besonders positiv aufgefallen war den meisten Patienten die entspannende Wirkung 💆🏼‍♀️💆🏽‍♂️der Behandlung, so bewerteten sie die Entspannung während der Behandlung mit 91,2 auf einer 100-mm VAS.


Positive Nebenaspekte

Neben einer Schmerzlinderung wurde zudem berichtet, dass die Muskulatur sich gelockert und die Beweglichkeit 🦵🏼 sich verbessert hätte, dass sie unter weniger Kopfschmerzen litten und insgesamt ein besseres Befinden verspürten.


Nebenwirkungen

  • Der Großteil der Nebenwirkungen umfasste Schmerzen bzw. Spannungsgefühle während und nach dem Schröpfen. Einige Patienten klagten auch über Kopfschmerzen oder Migräne.

  • Insgesamt handelte es sich bei allen Vorkommnissen um leichte und vorübergehende Nebenwirkungen.

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